Archiv für August 2007

Claudia hat jetzt ein Pferd

Man stelle sich vor. Elke Monssen-Engberding, die Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (aka „das saubere Dutzend“), schreibt ihrer Chefin von der Leyen einen Brief, in dem sie mit Verweis auf die Sinnlosigkeit der eigenen Tätigkeit ihren Job hinschmeißt und der Ministerin empfielt, den Bonner Laden am besten gleich mit dicht zu machen.

So ähnlich geschehen jetzt in Schweden, wo Gunnel Arrbäck, die Chefin der staatlichen schwedischen Filmzensur ‚Biografbyrå‘ ein Jahr lang vergeblich für die Schließung des von ihr geleiteten Etablissements kämpfte. Die Arbeit sei „hoffnunglos“, man wissen nicht, nach welchen Kritierien man zensieren solle, und überhaupt sei ja noch nicht ein mal wissenschaftlich belegt, „dass jemand durch einen Film ‚verroht‘ werden kann“, wie dies das Zensurgesetz vorsehe, oder „dass sich überhaupt der grundlegende moralische Maßstab von Menschen durch Anschauen eines Kinofilms ändert.“

Als letzter nichtpornographischer Film wurde vor 11 Jahren Martin Scorseses ‚Casino‘ kürzer gemacht. Als Deko gibt’s Geschwisterliebe. Die Ärzte 1987, grand crû. Günther Jauch kommentierte, ftwk.

Knick-knack sie wissen schon

Das mit der Autobahn hätte jedenfalls nicht sein müssen

Vgl. auch „Autobahn? Nein Danke!

Streikähnliche Verhältnisse schaffen

Wie’s geht, stand gestern auf der Titanic-Seite.

Jetzt schlägt’s dreizehn: Ganz Deutschland ist solidarisch, fiebert dem Lokführer-Streik entgegen, freut sich aufs gemütliche Daheimbleiben – da verbietet das Arbeitsgericht Nürnberg den Streik! Begründung: Nackte Willkür. Bzw.: Das Kapital will es so!

Wir verraten, was jeder einzelne tun kann, um trotzdem für streikähnliche Verhältnisse und massive Verspätungen zu sorgen:

Am Bahnsteig: Lange Abschiedsküsse, Tür dabei offenhalten; mit ganz viel Gepäck einsteigen, sich für jedes einzelne Gepäckstück der Hilfe älterer, gebrechlicher Mitbürger versichern; den Zugbegleitern die Pfeife entwenden und auf die Gleise werfen

Im Abteil: Mit den Mitreisenden Lieder einüben („Alle Räder stehen still / Wenn dein starker Arm es will“), dabei vielsagend auf die Notbremse deuten

Am Bahndamm: Sich als spielendes Kind verkleiden, neben den Gleisen herumtollen

Vgl. „Bahnstreik verboten – spinnen die denn total?!

Action Sorgenkind

Action Sorgenkind ist fast fertig!

Die hätten doch das Brandenburger Tor sprengen sollen


Raul Hilberg

Raul Hilberg ist gestorben. Sein bekanntestes Buch, The destruction of the European Jews, erschien in den USA 1961. In der Bundesrepublik erschien es zwanzig Jahre später, bei Olle & Wolter, einem abgelegenen Westberliner Verlag, bei dem zur gleichen Zeit auch noch Texte von Dutschke, Bahro und Trotzki erschienen. Der Verlag machte kurz danach auch pleite, scheint es. Erst ein Jahr später entdeckte der Fischer-Verlag das Buch und steckte es in seine schwarzen Umschläge. Noch etwas später nahm sich dann auch die deutsche Zeitgeschichtsschreibung erstmals der Täterforschung an. Erstmals, das muss man sich mal reinziehn.

„Man hat Hilberg immer wieder ‚Kälte‘ vorgeworfen. Das können nur Menschen tun, die von den Erregungen des Verstandes noch niemals ergriffen wurden. Hilbergs knapper, trockener Stil ist das Gegenteil von Empfindungslosigkeit. Es ist der Stil eines Menschen, der es verabscheut, die Schilderung der Ermordung von Millionen Menschen durch geschickten Einsatz von Adjektiven aufzuheizen“ stand in der FR.