Zu Baader-Meinhof-Eichinger…

…und anlässlich des leider nicht online einsehbaren Leitartikels von Dirk Kurbjuweit über die Qualen von Bleibtreu-Gedeck-Wokalek, sich in die Mörderhirne der RAF-Protagonisten hineinzuversetzen („Moritz Bleibtreu überwand die Distanz, indem er in Baader auch einen Liebenden sah“), wollte ich noch kurz schreiben, dass es mich freuen würde, wenn jemand sich die Mühe machen könnte, den jungen Kurt Georg Kiesinger während seines PR-Jobs bei Goebbels derart, naja, detailverliebt zu porträtieren wie Eichinger die RAF; sich in Hanns-Martin Schleyer hineinzudenken, als er 1933 Juden von der Universität Heidelberg verjagte und zehn Jahre später im Protektorat Böhmen und Mähren für das Reichssicherheitshauptamt schuftete; oder in Franz-Josef Strauß, als er als NS-Führungsoffizier an der Ostfront junge Rekruten scharf machte. Cool wäre auch ein Porträt von Karl Carstens während seiner zwölfjährigen Zeit bei der SA, sein Ringen mit dem Negativimage der Schlägertruppe, die tausende auf offener Straße totschlug, so ganz ohne ordentlichem Prozess und rechtskräftigem Todesurteil. Muss schrecklich gewesen sein für einen Juristen.

Ein Film nicht über ‚die Verbrechen der Wehrmacht‘ oder ‚das Wüten der Einsatzgruppen‘ oder ‚die bösen KZ-Hexen und ihre polnischen Handlangerinnen‘, sondern über ‚Karl beim Saalstürmen‘, ‚Hanns-Martin beim Juden vom Professorenpult Prügeln‘, ‚Kurt Georg beim professionell zum Massenmord Aufrufen‘ und ‚Franz-Josef beim kleinen Flak-Helfern mal so richtig Zeigen wo der Hammer hängt‘, komplett mit Blut und Schießgewehr.

Vielleicht würde es dann Bleibtreu-Gedeck-Kurbjuweit etwas leichter fallen, zu verstehen, warum Baader-Meinhof-Ensslin mordeten wie sie mordeten, bekloppt mit Blut und Schießgewehr. Nicht weil Baader-Meinhof-Ensslin Carstens-Schleyer-Strauß als ehemalige Nazis bekämpft hätten, die nicht einmal in ihrem doch so glücklich verlaufenen scheiß Leben die Eier hatten, der Öffentlichkeit ernsthaft und ohne Gesülze kundzutun, wie es eigentlich dazu kam, dass sie, die geläuterten Demokraten, derart zu Mittätern hatten werden können. Das hat man der RAF wohl zu Unrecht unterstellt. Auch nicht, weil Carstens-Schleyer-Strauß jetzt für das Schweinesystem standen, das die RAF’schen Morde ja wohl auch provoziert hätte irgendwie. Das hat man dem Schweinesystem wohl zu Unrecht unterstellt. Sondern weil Baader-Meinhof-Ensslin Kinder ihrer Eltern waren.

Nicht die Wiedergänger, wie man damals so gerne behauptet hat und es heute auch gerne noch tut, sondern die Nachkommen, wie ihre Generationskollegen auch. Die Nachkommen von Hans und Martin, Kurt und Karl, Georg und Franz, Josef und all den anderen Tätern und Mitläufern, die ihren antifaschistischen Kindern partout nicht erklären wollten, was Faschismus eigentlich ist und was nicht, obwohl sie ihn selbst doch so gut kannten.

Update 23.9.2008: Der Kurbjuweit-Artikel ist jetzt online. Außerdem zerstören Edel-Bleibtreu-Wokalek in der Welt den Mythos, sie hätten in ihrem RAF-Film den Mythos RAF zerstören wollen.


3 Antworten auf „Zu Baader-Meinhof-Eichinger…“


  1. Gravatar Icon 1 bernd 14. September 2008 um 12:38 Uhr

    du hast ja ganz recht.
    aber besonders schön finde ich die google-anzeigen darunter. „hanns-martin-schleyer-halle, eintrittskarten und tickets“ und
    „witzige deko: straußkunstdruck“…

  2. Gravatar Icon 2 nike 14. September 2008 um 13:33 Uhr

    Haha, geil, ich seh die gar nicht wegen dem Adblocker.

  3. Gravatar Icon 3 nike 16. September 2008 um 12:00 Uhr

    „Josef S. bestreite, als Kompanieführer des Gebirgs-pionierbataillons 818 einen Rachemord an 14 Zivilisten geplant zu haben, sagte einer seiner Verteidiger.“

    http://tinyurl.com/josef-in-der-toskana

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