Archiv für Mai 2009

rumdenken über kurras

da rutscht einem ja wirklich das herz in die hose.

wie kommt jemand, der sich 1944, mit sechzehn, freiwillig an die ostfront meldet und von 1946 bis 1949 wegen antisowjetischer propaganda in sachsenhausen einsaß (eigentlich hätten es 25 jahre sein sollen, aber begnadigungen dieser art waren üblich), nach seiner entlassung in den westberliner polizeidienst geht, sechs jahre später auf die idee, dass ‚der weg des ostens die richtige politik verkörpert‘, wie er in seiner verpflichtungserklärung von 1955 schreibt?

politische überzeugung fällt für mich flach. er schreibt ja selbst, dass ‚ich politisch unbeschult bin‘. aber wenn er kein stalinistischer überzeugungstäter war, was war er dann?

die stasi hatte tausende spitzel im westdeutschen staatsdienst, so wie die westdeutschen geheimdienste tausende inoffizielle mitarbeiter im osten hatten. bei den fällen, die bekannt wurden (was aufgrund der verschlossenen westdeutschen akten meistens stasi-leute sind), handelt es sich oft um ziemlich zwielichtige gestalten, wichtigtuer, waffennarren, assis. die westberliner, die in den frühen fünfziger jahren für die stasi abtrünnige stasi-offiziere in den osten verschleppten, waren meistens kleinkriminelle, die das für die knete und den thrill machten und sich, zum ärger der stasi, ihrer james-bond-tätigkeit auch mal beim stammtisch rühmten.

hm. kurras, den waffennarr und vollassi, würde ich in die gleiche kategorie stecken. trotzdem frag ich mich, wie man als deutscher bulle mit halbwegs gutem einkommen auf die idee kommt, sich der stasi als spitzel anzubieten und auch noch in die sed eintritt. nur wegen der knete?! und why the heck die sed-mitgliedschaft?!

oder war kurras vielleicht doch einer jener westberliner, die – achtung jetzt kommt die verzweifelte verschwörungstheorie – wie der ebenfalls erst durch die gauck-behörde enttarnte dietrich staritz, sowohl für den einen als auch für den anderen dienst arbeiteten? wie gesagt, mir geht es nicht darum, die tötung ohnesorgs (mord war es ja nicht, wie 1971 letztinstanzlich festgestellt wurde), jetzt so blöd dem westdeutschen geheimdienst in die schuhe zu schieben wie es gerade mit der stasi passiert. ich denke, kurras war ein autoritärer charakter, der ohnesorg auch erschossen hätte, wenn er für den schwedischen geheimdienst oder für gar keinen gearbeitet hätte.

ich hätt nur gerne ne erklärung für die kehrtwende kurras‘ nach drei jahren sowjetischem abeitslager und seinen sed-parteieintritt. miau.