How are things in Moscow?

… fragen die drei zur Devisenbeschaffung nach Paris geschickten KPdSU-Funktionäre, als sie Ninotschka Yakushova (gespielt von Greta Garbo) auf dem Bahnsteig als eine der ihren erkennen. ‚Very good‘, antwortet die Genossin, ‚the last mass trials where a great success. There are going to be fewer but better Russians.‘ Natürlich rechneten die drei mit einem Typen, weshalb sie für ein paar Sekunden einen streng dreinschauenden Mann fixiert hatten, der sich dann aber schnell als Deutscher entpuppte, weil er und seine Frau sich mit ‚Heil Hitler!‘ begrüßten. Der Spruch mit den Prozessen ist aber auch lustig, und es gibt keine Anzeichen, dass man dies im Oktober 1939 anders empfand, als der Film in den USA erstmals gezeigt wurde.

Die Message ist auch klar. Und doch erscheint es erstaunlich, wie knuffig die russischen Hardcore-Stalinisten von Regisseur Ernst Lubitsch porträtiert werden, der 1933 aus Deutschland verjagt wurde. Ninotschka ist ein bißchen wie Mister Spock. Total bescheuert, aber liebenswert. Und die drei Funktionäre, so stellt sich heraus, träumen insgeheim davon, ein russisches Restaurant zu eröffnen, notfalls in der Türkei oder so, werden sich dies aber erst am Ende des Films bewusst. Bis es soweit ist, nehmen sie die Aussicht, womöglich nach Sibirien deportiert zu werden, wenn sie Scheiße bauen, mit Galgenhumor. Ständig ist vom Gulag die Rede und alle grinsen sich einen. Ninotschka wiederum, die viel zu schnell von einem französischen Baron um den kleinen Finger gewickelt wird, entpuppt sich schnell als Sozialdemokratin mit Herz, der mithilfe ihres spröden Charmes sogar gelingt, dem einst so konsumfreudigen Adligen, der ihr so erfolgreich den Hof macht, ein soziales Gewissen zu verpassen. Sein treuer Diener beschwert sich irgendwann sogar, dass er ein Buch von Karl Marx auf dem Nachttisch liegen hat.

Und die Moral von der Geschicht? Stalinismus und Nationalsozialismus laufen irgendwie auf dasselbe hinaus, aber die Stalinisten sind wenigstens noch zu retten.