Archiv der Kategorie 'Apropos'

Legitimer Versuch

Wenn man 1949 eine Umfrage unter ehemaligen Verfolgten des NS-Regimes oder Widerstandskämpfern gemacht und danach gefragt hätte, ob die DDR-Gründung einen legitimen Versuch darstellt, hätten ziemlich viele mit einem klaren Ja geantwortet. Man darf die DDR-Geschichte nicht von ihrem Ende her sehen. In den fünfziger Jahren erachteten viele Leute mit Herz und Verstand die Bundesrepublik als das viel größere Sicherheitsrisiko, weil hier knapp unter der Spitzenebene wieder haargenau die selben Leute das sagen hatten, die der Welt zehn Jahre zuvor Millionen von Toten beschert hatten. Die einstige Volksgemeinschaft selber empfand diese Angst natürlich nicht. Die fürchtete sich nur vor den ostdeutschen Stalinisten und dem Apparat, den diese aufbauten, um die eigene Bevölkerung unter Kontrolle zu kriegen. Auf freiwillige Spitzeldienste engagierter Bürger konnte sich die Stasi im Gegensatz zur Gestapo ja nur sehr eingeschränkt verlassen.

Die meisten afrikanischen Gesetze

… gegen Homosexualität stammen übrigens aus der Kolonialzeit.

Honecker wurde übrigens auch da gefoltert,

wo heute die Topographie des Terrors steht (hier kann man’s halbwegs entziffern). Und mit ihm rund 15.000 andere politische Häftlinge, „vor allem Kommunisten, Sozial­demokraten, Gewerkschafter, Mitglieder kleiner sozialistischer Gruppierungen und Widerstands­organisationen.“

Schade, dass man so wenig von dieser Opfergruppe hört, noch nicht mal von Seiten der SPD, denn dann würde die Topographie-Diskussion vielleicht nicht nur von Architekten handeln, die keinen interessieren.

Sepia on the staircase

Oléolé!!!

Im Bonner Haus der Geschichte gibt es eine neue Ausstellung mit dem Namen ‚Flagge zeigen? Die Deutschen und ihre Nationalsymbole‘. Horst hat sie gerade eröffnet. Der Aufhängertext geht so: ‚Schwarz-rot-goldene Fahnen an Fenstern, Gebäuden, Autos: Spätestens seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland tragen vor allem Jugendliche wieder ‚National‘, zeigen Flagge, feiern fröhliche Feste mit ‚Fahnenträgern‘ anderer Nationen.‘

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an eine Podiumsdiskussion, die das Goethe-Institut Paris gemeinsam mit dem Radiosender France Culture im September 1976 ausrichtete. Der sozialdemokratische Politikwissenschaftler Iring Fetscher debattierte mit seinem französischen Kollegen Alfred Grosser über ‚Tolérance et intolérance‘. Fetscher sagte in etwa das Gleiche, das man seit jeher zum Thema Fähnchenschwenken in westdeutschen Zeitungen lesen kann: In der Bundesrepublik gäbe es ‚nur wenig zugegebenen Nationalismus‘. So sei es in Westdeutschland ‚unvorstellbar, dass alle Politiker, von der KP bis zur extremen Rechten, gemeinsam über den Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft jubeln.‘ Grosser, der nach 1933 als Jude im Sinne der Rassegesetze des Reichsinnenministeriums aus Frankfurt/Main fliehen musste und später die französische Staatsbürgerschaft annahm, meinte nur kurz, bei den Siegen von 1954 und 1974 hätte er ja eher einen ‚einhelligen Enthusiasmus‘ in Erinnerung.

Es gibt nur wenige Dinge, die in der Geschichte der Bundesrepublik gründlicher verbogen wurden als die Erinnerung an das Deutsche Reich. Eines davon ist die Erinnerung an den zugegebenen Nationalismus, wie er sich in der Regel aus Anlass diverser Herrenfußball-Meisterschaften äußerte.

Die Toten Hosen singen für die FPÖ

Der junge Mann mit der Che-Mütze und dem blauen Stern ist Heinz-Christian Strache. Er konnte bei der Wahl in Österreich am Wochenende zwei Drittel der 16- bis 30-jährigen Wähler für sich begeistern.

Der Wahlwerbesong klingt wie eine EAV-Coverband aus, naja, irgendwo in Österreich halt. Für den Refrain konnten die Toten Hosen aus Düsseldorf gewonnen werden.

Ach du Scheiße

Heute Abend um 20.15 zeigt ProSieben ein Remake der Fünfzigerjahre-Flakhelfer-Schmonzette ‚Die Brücke‘ von Bernhard Wicki mit Franka Potente in der Rolle der festen Freundin von einem der Kanonenfutterknaben. (‚Die Amis dürfen nicht über diese Brücke kommen!!‘) Vielleicht spielt sie auch die Mutter, das wird aus dem Trailer nicht ganz ersichtlich.

Im Original von 1959 wurde die jetzt von Potente verkörperte Rolle der um die Gesundheit der Hitlerjungen bangenden Mahnerin (‚Ich will nicht, dass ihr hier verreckt!‘) von Günter Pfitzmann gespielt, einem sympathischen Landser mit Fronterfahrung (ab min 2:00).

Immerhin ist die Tagline die gleiche geblieben. ‚Dieser Krieg kennt keine Helden. Dieser Krieg kennt nur Opfer.‘

RZB

Romy Anticapitalista

Es soll ein schlechter Film sein, ‚La Califfa‘ von 1970, aber die Anfangsszene mit Morricone-Beerdigungsprozession und Moped-Demo rockt.

‚L‘assassinat de Trotsky‘, in dem Romy Schneider ein Jahr später auch mitgespielt hat, heißt auf deutsch übrigens ‚Das Mädchen und der Mörder‘.

Mickey Mouse must die, says Saudi cleric…

…sagte der Daily Telegraph schon vorgestern und heute bringt auch Bild die Nachricht: „Islamist will Micky Maus tot sehen. Angriff auf Micky Maus! ‚Diese Maus wird von Satan gesteuert, sie ist einer von seinen Soldaten‘, behauptet der Saudi-Kleriker Scheich Muhammad al-Munajid in einem Interview mit dem arabischen TV-Sender ‚Al-Majd‘.“

Nicht, dass ich Muhammad al-Dingens nicht zutraue, dass er das wirklich gesagt hat aber so ganz überzeugt bin ich nicht. In dem Video jedenfalls spricht er – laut Untertitel! – die ganze Zeit über ‚unreine Mäuse‘ und sowas und warum der Koran sie scheiße findet (Seuchengefahrabwehrgedöns von früher).

Erst ganz am Ende sagt er dann, Mickey und Tom & Jerry hätten die Jugend verdorben, weil diese ihretwegen in Mäusen süße kleine Dutzidutzis erblickte (‚wonderful and loved by children‘) anstatt eklige Dreckschläudern, wie es Natur, Verstand und Koran eigentlich vorsähen. Er grinst sogar ein bißchen, als wär ihm das Argument peinlich. Eine Fatwa hab ich mir jedenfalls anders vorgestellt. Mit mehr Pauken und Trompeten. Egal.

Solange sie die Ente in Ruhe lassen.