Archiv der Kategorie 'Die richtige Einstellung'

Quatschgebet vom Ende des Kapitalismus

Zerstört liegen Länder und Wasser
wir sind die Dummen
die haben Anschrift und Namen

Auf! Werdet Arbeiterklasser!
Greift zu den Wummen
und scheißt schießt sie zusammen, amen!

Gsella am Donnerstag via Titanic.

Ach was soll’s

PS: Franziska Drohsel hört uff.

Four Tet live in Los Angeles

How are things in Moscow?

… fragen die drei zur Devisenbeschaffung nach Paris geschickten KPdSU-Funktionäre, als sie Ninotschka Yakushova (gespielt von Greta Garbo) auf dem Bahnsteig als eine der ihren erkennen. ‚Very good‘, antwortet die Genossin, ‚the last mass trials where a great success. There are going to be fewer but better Russians.‘ Natürlich rechneten die drei mit einem Typen, weshalb sie für ein paar Sekunden einen streng dreinschauenden Mann fixiert hatten, der sich dann aber schnell als Deutscher entpuppte, weil er und seine Frau sich mit ‚Heil Hitler!‘ begrüßten. Der Spruch mit den Prozessen ist aber auch lustig, und es gibt keine Anzeichen, dass man dies im Oktober 1939 anders empfand, als der Film in den USA erstmals gezeigt wurde.

Die Message ist auch klar. Und doch erscheint es erstaunlich, wie knuffig die russischen Hardcore-Stalinisten von Regisseur Ernst Lubitsch porträtiert werden, der 1933 aus Deutschland verjagt wurde. Ninotschka ist ein bißchen wie Mister Spock. Total bescheuert, aber liebenswert. Und die drei Funktionäre, so stellt sich heraus, träumen insgeheim davon, ein russisches Restaurant zu eröffnen, notfalls in der Türkei oder so, werden sich dies aber erst am Ende des Films bewusst. Bis es soweit ist, nehmen sie die Aussicht, womöglich nach Sibirien deportiert zu werden, wenn sie Scheiße bauen, mit Galgenhumor. Ständig ist vom Gulag die Rede und alle grinsen sich einen. Ninotschka wiederum, die viel zu schnell von einem französischen Baron um den kleinen Finger gewickelt wird, entpuppt sich schnell als Sozialdemokratin mit Herz, der mithilfe ihres spröden Charmes sogar gelingt, dem einst so konsumfreudigen Adligen, der ihr so erfolgreich den Hof macht, ein soziales Gewissen zu verpassen. Sein treuer Diener beschwert sich irgendwann sogar, dass er ein Buch von Karl Marx auf dem Nachttisch liegen hat.

Und die Moral von der Geschicht? Stalinismus und Nationalsozialismus laufen irgendwie auf dasselbe hinaus, aber die Stalinisten sind wenigstens noch zu retten.

Wie können wir uns vom Mainstream abkoppeln

…das ist die Frage, die es zu diskutieren lohnt‘, meinte Inge Kloepfer, Wirtschaftsredakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, auf einer Podiumsdiskussion in der Berliner Landesvertretung von Rheinland Pfalz über ‚Risiken und Nebenwirkungen des Wirtschaftsjournalismus in Deutschland‘. Auslöser ihrer bisweilen in Selbstkritik mündenen Selbstzweifel (‚Macht, Beschleunigung, steigende Renditen; das Geld kam aus der Steckdose oder dem Computer, in diesen Sog sind auch die Medien geraten‘) war eine von der IG-Metall-nahen Otto-Brenner-Stiftung finanzierte Studie mit dem Thema ‚Wirtschaftsjournalismus in der Krise – Zum massenmedialen Umgang mit Finanzmarktpolitik‘ (Kurzfassung und Download hier).

Deren Autoren hatten dem deutschen Wirtschaftsjournalismus am Beispiel der Berichterstattung von Frankfurter Allgemeiner Zeitung, Financial Times Deutschland, Handelsblatt, Süddeutscher Zeitung, Tageszeitung, Deutscher Presse Agentur, Tagesschau und Tagesthemen in den Jahren 1999 bis 2009 attestiert, dem globalen Finanzmarkt gegenüber gestanden zu haben ‚wie ein ergrauter Stadtarchivar dem ersten Computer mit einer Mischung aus Ignoranz und Bewunderung, ohne Wissen, wie er funktioniert‘. Während Kloepfer einräumte, dass es ihr und anderen bisweilen an der nötigen Distanz gefehlt habe (‚Journalisten und Banker sind von Frankfurt/Main zu IWF oder Weltbank nach Washington geflogen, habe gemeinsam Konferenzen besucht und abends an der Bar Bier zuammen getrunken‘), schob Andreas Werner von ‚ARD-Aktuell‘ alle Schuld auf das Brett, das jemand vor seinem Kopf angebracht hatte: ‚Wir können die Realität nur so abbilden, wie sie ist, und wenn es keine kritischen Wissenschaftler gibt, die sich äußern, dann können wir das auch nicht senden.‘

Grandpas on the hobby horse again

Maschinenstürmer im Porträt: Hermann Zach

In einer schönen Einzelleistung hat der 70-jähriger Rentner aus dem österreichischen Steyregg mit seinem Gartengerät einen 23-jährigen Studenten, der für Google-Street-View gerade ein paar Bilder aufnahm, kurzzeitig in die Flucht geschlagen und vor Schreck die Polizei rufen lassen (hier genauere Erörterungen zum Tathergang).

Dem ORF-Bericht zufolge wurden die Google-Autos auch in anderen europäischen Ländern desöfteren angegriffen, aus Furcht, die online gestellten Fotos könnten Einbrecher anziehen. Auch Herr Zach griff nicht aus prinzipiellen Gründen zur Spitzhacke. Vielmehr trieb ihn die Angst um, seine Ersparnisse und das Auto, das zum Zeitpunkt der Street-View-Aufnahme ungeschützt vor der Garage stand, würden „in zwei Stunden in der Tschechei“ landen (oberösterr. f. Polen).

Jeder weiß, dass Nacktdemos ein alter Hut sind

Nur in der Ukraine scheint sich das noch nicht herumgesprochen zu haben. Hier sitzt Alexander Volodarsky seit November letzten Jahres in Untersuchungshaft, weil er nackt gegen Zensur demonstriert hat. Seit fünf Monaten.

In Berlin und Hamburg wurde heute jedenfalls dafür protestiert, dass Volodarsky nach dem Prozess morgen von seinem Knast in Kiev direkt ins Pantheon der weltweiten Werteliberalisierung transferiert wird, die sich die EU und die nach ihr schielenden Länder doch so gerne auf die Fahnen schreiben.

Es kann nicht sein, dass man bei uns die Arschbacken der Kommune 1 abfeiert, weil sie angeblich für einen Staat und eine Gesellschaft stehen, die auch mal Fünfe grade sein lassen, und in den EU-Anrainern Leute für die gleiche nackte Haut mit vier Jahren Knast bedroht werden. Mit vier Jahren!

Ein Volk von Botschaftern

Der Süddeutschen Zeitung zufolge startet die israelische Regierung gerade eine ziemlich bescheurte PR-Aktion, die Israelis im Urlaub oder sonstwie im Ausland mit Argumenten beliefern soll, weshalb die Vorurteile, die über das Land so kursieren, falsch sind: „Unter der Rubrik ‚Mythos und Wirklichkeit‘ zum Beispiel ist nachzulesen, warum es falsch ist, dass die Israelis nur Falafel oder Hummus essen und alle Frauen mit Kopftüchern herumlaufen. Zugleich jedoch wird auf der Internetseite auch mit vermeintlichen politischen Mythen aufgeräumt. Warum die Siedler kein Hindernis für den Frieden sind, warum Israel keine Verpflichtung hat zum Rückzug auf die Grenzen von 1967, warum die Juden sowieso schon viel früher da waren als die Araber – all das wird ausführlich erklärt. Dies allerdings hat auch innerhalb Israels die Kritiker auf den Plan gerufen, weil diese Punkte allein die Ideologie der rechtsgerichteten Regierung widerspiegelten. “

Da fällt mir ein, dass die sozialliberale Bundesregierung vor gut dreißig Jahren mal was ähnliches gestartet hat, damit man in dem Teil des Auslandes, der für sie relevant war, nicht mehr glaubte, in Westdeutschland würden Lokomotivführer auf die Straße gesetzt, nur weil sie der Kommunistischen Partei angehörten. Die PR sah so aus und ich hoffe man erkennt was (aus Stern 34/1978).

Endlich online!