Archiv der Kategorie 'Die richtige Einstellung'

rumdenken über kurras

da rutscht einem ja wirklich das herz in die hose.

wie kommt jemand, der sich 1944, mit sechzehn, freiwillig an die ostfront meldet und von 1946 bis 1949 wegen antisowjetischer propaganda in sachsenhausen einsaß (eigentlich hätten es 25 jahre sein sollen, aber begnadigungen dieser art waren üblich), nach seiner entlassung in den westberliner polizeidienst geht, sechs jahre später auf die idee, dass ‚der weg des ostens die richtige politik verkörpert‘, wie er in seiner verpflichtungserklärung von 1955 schreibt?

politische überzeugung fällt für mich flach. er schreibt ja selbst, dass ‚ich politisch unbeschult bin‘. aber wenn er kein stalinistischer überzeugungstäter war, was war er dann?

die stasi hatte tausende spitzel im westdeutschen staatsdienst, so wie die westdeutschen geheimdienste tausende inoffizielle mitarbeiter im osten hatten. bei den fällen, die bekannt wurden (was aufgrund der verschlossenen westdeutschen akten meistens stasi-leute sind), handelt es sich oft um ziemlich zwielichtige gestalten, wichtigtuer, waffennarren, assis. die westberliner, die in den frühen fünfziger jahren für die stasi abtrünnige stasi-offiziere in den osten verschleppten, waren meistens kleinkriminelle, die das für die knete und den thrill machten und sich, zum ärger der stasi, ihrer james-bond-tätigkeit auch mal beim stammtisch rühmten.

hm. kurras, den waffennarr und vollassi, würde ich in die gleiche kategorie stecken. trotzdem frag ich mich, wie man als deutscher bulle mit halbwegs gutem einkommen auf die idee kommt, sich der stasi als spitzel anzubieten und auch noch in die sed eintritt. nur wegen der knete?! und why the heck die sed-mitgliedschaft?!

oder war kurras vielleicht doch einer jener westberliner, die – achtung jetzt kommt die verzweifelte verschwörungstheorie – wie der ebenfalls erst durch die gauck-behörde enttarnte dietrich staritz, sowohl für den einen als auch für den anderen dienst arbeiteten? wie gesagt, mir geht es nicht darum, die tötung ohnesorgs (mord war es ja nicht, wie 1971 letztinstanzlich festgestellt wurde), jetzt so blöd dem westdeutschen geheimdienst in die schuhe zu schieben wie es gerade mit der stasi passiert. ich denke, kurras war ein autoritärer charakter, der ohnesorg auch erschossen hätte, wenn er für den schwedischen geheimdienst oder für gar keinen gearbeitet hätte.

ich hätt nur gerne ne erklärung für die kehrtwende kurras‘ nach drei jahren sowjetischem abeitslager und seinen sed-parteieintritt. miau.

Scharbeutz

68er-Basher im Porträt (I)

Heute: Sibylle Lewitscharoff

Erfahrungshorizont: Spartacus / Bolschewiki-Leninisten, Stuttgart Degerloch

Lieblingszitat: ‚Wohl wahr, maßlos febril, maßlos narzisstisch und vor allem maßlos realitätsfern waren die Achtundsechziger. Aber eine Schönheit, für die sich der gesamte Aufruhr mit all seinen Turbulenzen vielleicht gelohnt hat, haben sie hervorgebracht.‘

Leseprobe: So superverfolgt und supergeheim, SZ, 10.1.2009.

Gerade Rühmann

„Gerade Rühmann ist, trotz ähnlicher, sagen wir: Flexibilität, auch nach dem Krieg ein Publikumsliebling geblieben“, steht heute in der Taz in einem Artikel über eine Gerichtsverhandlung in Berlin, in deren Verlauf nicht geklärt werden konnte, ob Johannes Heesers im KZ Dachau dem Wachpersonal ein Ständchen gesungen hat oder nicht (vgl. auch ‚hitler war ein netter kerl!'). „Heesters hat sich in der Nazizeit angepasst an das mörderische Regime“, heißt es in dem Artikel weiter, genau wie Gustaf Gründgens, Marika Rökk oder eben Heinz Rühmann.

Man fragt sich, wie lange es wohl noch dauert, bis es in den Köpfen ankommt, dass Rühmann, Gründgens, Rökk und Heesters Publikumslieblinge geblieben sind, eben weil sie sich in der Nazizeit an ein mörderisches Regime angepasst haben. Einen selbstgerechten Widerständler, der sich womöglich noch was auf sein Tun einbildet, oder einen dieser verfolgten Jammerlappen, die im ‚Hörzu‘-Interview erzählen wie’s war, so als Paria, will doch keiner singen hören.

Danish cartoonists strike again


Oléolé!!!

Im Bonner Haus der Geschichte gibt es eine neue Ausstellung mit dem Namen ‚Flagge zeigen? Die Deutschen und ihre Nationalsymbole‘. Horst hat sie gerade eröffnet. Der Aufhängertext geht so: ‚Schwarz-rot-goldene Fahnen an Fenstern, Gebäuden, Autos: Spätestens seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland tragen vor allem Jugendliche wieder ‚National‘, zeigen Flagge, feiern fröhliche Feste mit ‚Fahnenträgern‘ anderer Nationen.‘

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an eine Podiumsdiskussion, die das Goethe-Institut Paris gemeinsam mit dem Radiosender France Culture im September 1976 ausrichtete. Der sozialdemokratische Politikwissenschaftler Iring Fetscher debattierte mit seinem französischen Kollegen Alfred Grosser über ‚Tolérance et intolérance‘. Fetscher sagte in etwa das Gleiche, das man seit jeher zum Thema Fähnchenschwenken in westdeutschen Zeitungen lesen kann: In der Bundesrepublik gäbe es ‚nur wenig zugegebenen Nationalismus‘. So sei es in Westdeutschland ‚unvorstellbar, dass alle Politiker, von der KP bis zur extremen Rechten, gemeinsam über den Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft jubeln.‘ Grosser, der nach 1933 als Jude im Sinne der Rassegesetze des Reichsinnenministeriums aus Frankfurt/Main fliehen musste und später die französische Staatsbürgerschaft annahm, meinte nur kurz, bei den Siegen von 1954 und 1974 hätte er ja eher einen ‚einhelligen Enthusiasmus‘ in Erinnerung.

Es gibt nur wenige Dinge, die in der Geschichte der Bundesrepublik gründlicher verbogen wurden als die Erinnerung an das Deutsche Reich. Eines davon ist die Erinnerung an den zugegebenen Nationalismus, wie er sich in der Regel aus Anlass diverser Herrenfußball-Meisterschaften äußerte.

RZB

Oliver Kalkofe kandidiert für die CSU

Und zwar als ‚Barbara Titzsch', geboren am 7. Juli 1957 in Nürnberg. Stimmkreis 502 Nürnberg-Ost. ‚Verlässliche Sozialpolitik für Mittelfranken.‘ Wir drücken die Daumen.

Update 29.9.2008: Dank Kalkofes Engagement brach die CSU im Osten Nürnbergs mit nur 11,8% Verlusten etwas weniger stark ein als im Landesdurchschnitt. Den besorgniserregenden Sprung der SED-Nachfolgepartei von Null auf 6,2% der abgegebenen Stimmen konnte er nicht verhindern.

Romy Anticapitalista

Es soll ein schlechter Film sein, ‚La Califfa‘ von 1970, aber die Anfangsszene mit Morricone-Beerdigungsprozession und Moped-Demo rockt.

‚L‘assassinat de Trotsky‘, in dem Romy Schneider ein Jahr später auch mitgespielt hat, heißt auf deutsch übrigens ‚Das Mädchen und der Mörder‘.

‚Der Untergang 2′ kommt auch in die Kinos

‚Wenn der Russe nur im Geringsten das mit uns macht, was wir mit denen gemacht haben, lebt in Bälde kein Deutscher mehr‘, sagt Eva Löbau im Vorspann.

Und erinnert dabei ein bißchen an Philip Roth, von dem ich irgendwie mal irgendwann gelesen habe, dass die Alliierten, wenn es im Zweiten Weltkrieg wirklich um Moral gegangen wäre, auch noch zwanzig Jahre hätten weiterbomben können.