Archiv der Kategorie 'Joggen'

The Incredible Herrengedeck – Prenzlauer Berg

Kennt jemand die beiden?

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Za waszą i naszą wolność

Wenn man bei Google nach polen ehrenmal friedrichshain sucht (vorbeigejoggt), ist der erste Treffer eine Seite mit Berliner Skate-Spots. Später stößt man dann doch auf einen englischen wiki-Beitrag, auf Tischreden der Präsidenten Köhler und Bush, einen Artikel über die polnischen Truppen im Irak auf kommunisten-online.de, über den ich jetzt nichts weiter schreiben will, und auf einen aus der taz vom letzten Jahr darüber, dass Berlin eine „neue Denkmaldebatte“ bekomme. Also.

Das Ehrenmal, um das es geht, heißt ‚Denkmal des polnischen Soldaten und deutschen Antifaschisten‘ und liegt am Nordrand des Volksparks Friedrichshain, kurz vor der Tanke am Hang. Der Hang war übrigens mal ein Bunker, zumindest in dem Sinne, wie manche Gebrauchsgegenstände mal Dosen waren, aber das ist eine andere Geschichte. Auf polnisch heißt das Ehrenmal Pomnik żołnierza polskiego i niemieckiego antyfaszysty.

Gebaut wurde es 1972 von einem deutsch-polnischen Künsterkollektiv, im Zuge der damals in der Zone üblichen „Besetzung des öffentlichen Raumes mit Ideologieträgern“ (leider nicht von mir), im Rahmen dessen also, was man in den moralisch integren Ländern links der Mauer Erinnerungsarbeit, Vergangenheitsbewältigung, Aufarbeitung usw. nennt. Der Knaller des Ensembles (Dia-Show) ist ein riesiger Betonpfeiler, der aussieht, wie… ja, Scheiße, keine Ahnung.

Köhler. Auf die Tischreden von Köhler und Bush kommt man, wenn man nach ‚Für eure und unsere Freiheit‘ sucht. Das steht auf dem Biild ganz oben, hinter dem Jogger. Der Spruch stammt aus dem neunzehnten Jahrhundert, als sich im Vormärz Polinnen und Polen in den Freiheitsbewegungen anderer Länder engagierten. Die Tatsache, dass er von den Kommunisten benutzt wurde, scheint ihm nicht geschadet zu haben. George Bush zitiert ihn, wenn er Polen für den NATO-Beitritt dankt, Köhler… haha, geil, also Köhler sagt, er freue sich

dass die Veranstaltungen des „deutsch-polnischen Jahres“ sowohl in Polen wie in Deutschland auf so viel Interesse der Menschen stoßen. Letzte Woche, bei einer Ausstellungseröffnung im Museum Europäischer Kulturen in Berlin, wurde die große Eingangshalle des Museums plötzlich viel zu klein für die große Menge der Besucher. Die Ausstellung heißt übrigens „Polenbegeisterung“ und erinnert an einen guten Abschnitt unserer gemeinsamen Geschichte, als Deutsche und Polen im 19. Jahrhundert „für Eure und unsere Freiheit“ stritten.

In dem taz-Artikel schließlich geht es darum, dass ein polnischer Rechtsextremist irgendwann letztes Jahr forderte, Berlin solle ein „Zentrum des polnischen Martyriums“ bauen, als Antwort auf das ‚Vertriebenen‘-Zentrum, klar, veilleicht auch als Konkurrenz zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Außer dem friedrichshainer Ehrenmal gäbe es bisher jedenfalls nichts in der Richtung. Bei dem polnischen Rechtsextremisten handelte es sich nicht um irgendwen, sondern um Marek Kotlinowski, seines Zeichens Vizepräsident des polnischen Parlaments (jedenfalls 2006), und Mitglied der Liga polnischer Familien. Die Liga beruft sich auf die Tradition Roman Dmowskis, der in der Zwischenkriegszeit, wie es in selten erreichter Reihung bei wiki heißt, eine „Mischung aus antisemitischen, antideutschen und klerikalen Ideen“ propagierte. Alter!

In Deutschland/Berlin reagierte man auf Kotlinowski mit dem, was man besonders gut kann: Umarmen/Totdrücken. Der CDU-Politiker Ruprecht Polenz begrüßte den Vorschlag eiskalt, fände es aber netter, wenn Berlin ein deutsch-polnisches Museum bauen würde, in dem „den Deutschen die polnische Geschichte in ihrer ganzen Breite nähergebracht“ (Polenz) und „die deutsch-polnische Geschichte nach dem Vorbild des Jüdischen Museums wesentlich umfassender gezeigt“ würde (taz). „Solch ein Museum könnte außer dem Leid auch herrliche Augenblicke in der polnischen Geschichte zeigen. Das wäre sicherlich eine gute Sache.“ (Polenz) Von dem Museumsprojekt und Kotlinowskis Vorschlag hab ich seit dem nichts mehr gehört, aber das will nichts heißen.