Archiv der Kategorie 'No comment'

Ich bitte Sie, das alles genau zu bedenken!

Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren! Ich habe meine juristische Laufbahn als Kriegsverbrecher in Russland begonnen. Steht übrigens nachzulesen im Bundestagshandbuch; dass ich Angehöriger der Waffen-SS war, ist hinlänglich bekannt. Ich möchte einige Irrtümer, die hier vielleicht im Raume herumschweben, aufklären. Hier wird die Unterscheidung gemacht zwischen Soldaten und anderen, ‚wie SS‘ wird genannt. Keine Sorge, ich gehe auf die feinen Unterschiede zwischen SD, Waffen-SS usw. nicht ein. Ich bitte Sie ganz herzlich, mir zu glauben, dass diese Unterscheidungen, was nun die sog. NS-Verbrechen belangt, nicht möglich sind. Ich will auch nicht von dem hier breittreten, was Leuten wie mir, die sich besonders betroffen fühlen, weil sie ähnliche Uniformen trugen wie andere damals, ohne in diese Sachen verwickelt gewesen zu sein, ich will ihnen Folgendes sagen:

Es gibt Archive in Deutschland und es gibt genügend Menschen, die Unterlagen daraus in Bereitstellung haben, woraus hervorgeht, dass auch Divisionen der deutschen Armee mit sehr hohen Hausnummern an Judenausrottung beteiligt gewesen sind. Bislang ist es gelungen, hierüber den Mantel des Schweigens zu breiten. Ich hoffe, es wird uns auch in Zukunft gelingen, das zu tun, selbst, wenn darüber andere einseitig belastet bleiben sollten. Nur, wenn jetzt 30 Jahre nach dem Krieg, 35 Jahre z. T. nach Begehung der Tat das noch einmal aufgerollt wird in 1000 oder 1200 Fällen, können wir, die Einsichtigen der Kriegsgeneration, es nicht mehr verhindern, dass der Kampf aller gegen alle der deutschen Kriegsgeneration noch einmal beginnt.

Nehmen Sie das so ernst, wie ich es meine. Ich bin gern bereit, dem einen oder anderen von Ihnen einmal Einblick zu gewähren in jene Unterlagen, von denen ich gesprochen habe. Zum Beweis dessen, was die Kommunisten sehr wohl wissen, möchte ich nur eines sagen. Stern-TV hat einen Film gedreht, eine Dokumentation über die Waffen-SS. Er wird vermutlich Anfang nächsten Jahres kommen. Ich bin da selbst auch zu Rate gezogen worden von einigen Leuten und habe gern mitgearbeitet daran. Man hat auch gebeten, Herrn Joseph Wulf aus Berlin, mitzuarbeiten. Er hat zur Bedingung gemacht: ‚Aber nur dann, wenn’s nicht nur über die Waffen-SS geht, sondern auch über die Deutsche Wehrmacht, denn die hat ja auch in Russland, in Frankreich und sonstwo Dinge vollbracht, die durchaus unter NS-Kriminalität fallen.‘ Daraufhin haben wir durchgesetzt, dass Herr Wulf nicht teilnehmen darf.

Ich bitte Sie, das alles genau zu bedenken!

Hans Wissebach, seit 1969 CDU-MdB aus Marburg, Funktionär der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS (HIAG), am 8. Oktober 1974 vor der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Konrad-Adenauer-Stiftung, Archiv christlich-demokratischer Politik, Fraktionsprotokolle, VII-001-1038/1, S. 39f.

Man spricht oft von der ‚Entideologisierung’

Man spricht oft von der ‚Entideologisierung’ der Parteien, des politischen Lebens schlechthin. In Wirklichkeit gibt es wohl kaum ein Land, dessen öffentliches Leben stärker unter dem Zeichen der Ideologie steht. Allerdings handelt es sich um eine Ideologie, die nahezu von allen als gut erkannt wird. Die Folge ist, dass die politischen Konflikte innerhalb dieser Ideologie ausgetragen werden. ‚Entideologisierung’ bedeutet nur, dass die gemeinsame Ideologie kaum mehr in Frage gestellt wird, wenigstens von keiner der Parteien, die zusammen wehr als 9/10 der Wähler vertreten: Der vereinzelte Andersdenkende wird dann naturgemäß zum Verräter.

Alfred Grosser aus: ders. u. Jürgen Seifert, Spiegel-Affäre, Bd. 1: Die Staatsmacht und ihre Kontrolle, Freiburg 1966, S. 18. Vgl. auch Jean Améry, Vom Nutzen und Nachteil der Ideologie für das Leben, Vorgänge 3/1967, abgedruckt in: ders., Widersprüche, Frankfurt/Main 1980.

Wollte man dieser Logik folgen

Wollte man dieser Logik folgen, dann hätte man mit der Bombardierung Deutschlands 1945 nicht aufhören dürfen, sondern sollte sie bis 2076 fortsetzen.

Philip Roth auf die Äußerung seines Interviewpartners vom Spiegel, „viele Verächter des Kapitalismus, auch bei uns in Deutschland“, würden mit Blick auf 9/11 „glauben, dass Amerika diese Bestrafung verdient hat.“ Via irgendwo im Hinterkopf.

Wer nicht Jude oder Emigrant war

Wer nicht Jude oder Emigrant war (aber auch dann: wehe, wenn er in Spanien gegen Franco mitgekämpft hat!), gilt hierzulande nur als honett, wenn er – sei es in dieser oder jener Form – Mitläufer der NSDAP war oder sich (als angeblich ‚innerer Emigrant’) resignierend mit Adolf Hitlers Regime abgefunden hatte, mindestens bis die totale Niederlage seit Stalingrad und seit der Landung der Westalliierten im Westen für jeden, der noch einen kleinen Rest von Denkfähigkeit besaß, deutlich erkennbar geworden war.

Wolfgang Abendroth, Haben wir ‚Alten‘ noch etwas zu sagen? Sind wir ‚zornig‘? in: Axel Eggebrecht (Hg.), Die zornigen alten Männer. Gedanken über Deutschland seit 1945, Reinbek 1979, S. 149 f.

Interessant ist

Interessant ist, dass die RAF Speed genommen und die ganze Zeit Kaffee getrunken hat, während die Bewegung 2. Juni eher immer gekifft hat.

Christopher Roth im Taz-Interview, 15.2.2002.

Apnoe saufen, le grand bleu

18 Metzger zur Jungle-Abokampagne.

Der Vergleich der hitlerischen Herrgottreligion mit dem Islam

Der Vergleich der hitlerischen Herrgottreligion mit dem Islam liegt sehr nahe, aber er versagt sehr rasch: das Vergleichsobjekt steht ja trotz allem viel zu hoch, unser Mist gibt ja auch seinen Erzeugern und seinen Adepten, die ihn essen, durchaus nicht die subjektive Sicherheit und Glaubensgewissheit wie einst und zum Teil auch heute noch der Islam seinen Anhängern. Religionen, auch falsche, kommen eben aus dem Osten, sie kommen nicht aus der Gegend um Braunau.

Theodor Haecker, Tag- und Nachtbücher, 1939-1945, München 1947, S. 170, 23. November 1941. Published under Military Government Information Control License number US-E-141. 6870th District Information Services Control Command, U. S. Army.